Gedanken eines Hundeführers zum Einsatz von Stöberhunden auf Bewegungsjagden
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Gedanken eines Hundeführers zum Einsatz von Stöberhunden auf Bewegungsjagden

Text: Michael Sommer Bilder: Michael Sommer

Da dieser Beitrag vermutlich eine eifrige Diskussion nach sich ziehen könnte, kurz zu mir, damit man das Folgende hoffentlich etwas besser einordnen kann: Ich arbeite als freiberuflicher Förster - www.forstkontor-sommer.de - und bin mit der ganzheitlichen Bewirtschaftung verschiedenster Waldbesitzungen beauftragt. Die jagdliche Bewirtschaftung, das jagdliche "Management" und die handwerklich saubere Umsetzung ist ein inzwischen wichtiges Geschäftsfeld. Ich bin mit Dackeln groß geworden, habe dann in das Schweißhundlager gewechselt und hier alpenländische Dachsbracke und Schwarzwälder Schweißhund erfolgreich geführt und eingesetzt.

Aus verschiedenen Gründen habe ich mich dazu entschieden, keinen weiteren Schweißhund mehr zu führen. In Anbetracht der riesigen Kalamitätsflächen und den sich daraus nun entwickelnden Dickungskomplexen habe ich mich entschlossen, nun konsequent auf Stöberhunde zu setzen. Meine Wahl ist dann auf die westfälische Dachsbracke gefallen. Seit nunmehr 3 Jahren führe ich mit dem Rüden "Winston vom Kaufunger Wald" einen inzwischen voll geprüften und jagdlich erprobten Hund, der jährlich bei ca. 50 großflächigen Bewegungsjagden eingesetzt wird. Die aktuellen Entwicklungen bei diesen Jagden sehe ich z.T. sehr kritisch und möchte mit diesem Artikel gern zur Diskussion und vielleicht auch zum Umdenken, zumindest aber zur kritischen Reflektion anregen... Dazu vorweg: Natürlich hat ein jeder von uns den besten Hund am Strick!

Wir schreiben Ende Oktober. Es ist eine der ersten Drückjagden des Jahres. Eine großangelegte Bewegungsjagd mit der Zielwildart Rotwild, natürlich nebst Schwarz- und Rehwild.

Es ist vor allem noch viel zu grün für meinen Geschmack und für die Hunde viel zu warm.

Am Treffpunkt werde ich wie gewohnt professionell vorbereitet begrüßt, meine Papiere überprüft und meiner Gruppe zugeteilt.

Am Gruppen-Parkplatz herrscht dann munteres Treiben, man begrüßt „alte und neue Gesichter“, die Hundeführer tauschen sich über die ersten Jagden und den Verlauf der „jagdfreien Zeit“ aus, manch neuer Hund wird begutachtet und herzlich begrüßt und alle Hundeführer verfallen in ihre „vorjagdlichen Routinen“: Ortungen werden eingestellt und gestartet, Westen parat gelegt, Warnhalsungen angelegt, usw. …

Da fährt ein weiterer, jagdlich „gepimpter“ Transporter vor, der anhand seiner bereits angelegten „Kampfmontur“ offensichtlich als Hundeführer anzusprechende Fahrer steigt aus und beginnt sofort damit, seine Hunde vorzubereiten.

Es öffnet sich die Schiebetür und wir blicken in eine Vielzahl von Hundegesichtern, die offensichtlich sämtlich der „Kampfhund-Szene“ zuzuordnen sind. Die Hunde sind zusätzlich mit abgewetzten Lederschürzen und breiten Halsungen versehen, wie ich sie bisher nur aus Videos von spanischen Monterias kannte.

Ein zweiter, baugleicher Transporter fährt vor. Die (zwar nicht baugleiche) Fahrzeugführerin, aber dennoch offensichtlich zu dem anderen Hundeführer „gehörende“ Hundeführerin öffnet ihrerseits die Schiebetür und gibt den Blick frei auf ca. 10 Vorstehhunde der Marken Drahthaar und Kurzhaar und beginnt diese mit Warnwesten und Glöckchen-Halsungen auszustatten.

Meine wohl eher ungläubigen Blicke münden in der Frage an unseren Ansteller „Was ist bitte das?“. Diese wird mit Schulterzucken und dem Kommentar „Die Mischung machts!“ beantwortet.

Das Treiben verläuft dann wie befürchtet: Das Rotwild kommt hochflüchtig vor stummen, aber von hellem Glockenklang umgebenen, hochläufigen Hunden. Der kampferprobte Hundeführer ist mehrfach mit der blanken Waffe im Einsatz, um von seinen (Kampf-) Hunden gebundenes Wild abzufangen.

Die Hundeführerin muss schlussendlich auch noch spurten, da ihre Hunde ein Reh im Gatter gefangen haben und sich hörbar schwertun, das Leiden der Kreatur zu beenden. Als sie völlig außer Atem mit einem geschulterten Reh an meinem Stand vorbeikommt, murmelt sie etwas von „tja, das haben die drei (Hunde) einmal mit Erfolg gemacht, seitdem suchen die sich immer solche Situationen…“.

Ich weiß nicht, ob das als Rechtfertigung oder Entschuldigung zu verstehen sein sollte… Der Jagderfolg an diesem Tag fällt dann, in Anbetracht der Witterungsbedingungen und des „noch viel zu grünen Waldes“ aus Sicht der Jagdleitung auch eher bescheiden aus.

Einige Wochen später, anderes Revier, andere „Hundetruppen“.

Ich freue mich auf diese Jagd immer sehr, ist es doch ein tolles Revier, mit „Schwarzwild-Garantie“. Ich bekomme einen nach Beute duftenden Stand „mittendrin“, Winston zittert vor Anspannung und windet vor dem Schnallen der Hunde permanent in Richtung des Brombeerverhaus direkt hinter meinem Drückjagdbock.

Das Treiben beginnt, die Hunde werden geschnallt, Winston düst zu den Brombeeren und gibt sofort giftig Standlaut… Er bedrängt die offensichtlich steckenden Sauen heftig und irgendwann fährt die Rotte aus dem Verhau und wird von Winston lautstark verfolgt. Es geht talabwärts und dann hallen die Schüsse durch den Wald.

Anhand der Ortung sehe ich, wo Winston ein Stück erfolgreich vor die Schützen bringen konnte, er sucht sich dann, nach kurzem Bewinden der Beute die nächste Fährte und weiter geht die fährtenlaute Jagd. Herrlich!

Irgendwann höre ich ihn mit anderem Ton jagen, der Blick auf die Ortung zeigt, es geht grob in meine Richtung, aber langsam, sehr langsam. Etwa 150 m von mir entfernt wechselt der Laut dann zu dumpfem Standlaut.

Der Blick auf die Ortung zeigt: Alles OK, das ist direkt vor meinem Standnachbarn, laut seiner Jacke Mitglied einer anderen Stöberhundgruppe, er hatte zudem einen Jagdterrier (ohne Schutzweste) dabei, ein gewaltiges Abfangmesser am Rucksack und sollte nach meiner positiven Erwartungshaltung hoffentlich in der Lage sein, den Bail aufzulösen.

Es vergehen 5 Minuten, 10 Minuten, der Standlaut reißt nicht ab…

Ich verliere die Geduld und verlasse laut rufend meinen Stand, um den Standlaut anzugehen. Als ich um die Ecke der Jagdschneise biege, sehe ich besagten Standnachbarn wild gestikulierend auf seinem Stand, immer wieder die Büchse in Anschlag nehmend.

Als er mich sieht, brüllt er „Hundeführer zu mir! Standlaut! Ein Hund hat eine kranke Sau gestellt!“ Ach, nee… Ich prüfe den Wind und wähle den für mich geigneten Weg aus, um mich dem Bail zu nähern. Er kommentiert das mit „Nicht daher, hier ist das, direkt vor mir…!“

Ich lasse mich nicht beirren und kann dann unbemerkt das Szenario betrachten: Winston verbellt lautstark eine etwa 50 kg schwere Sau mit einem tiefen Hinterlaufschuß. Immer, wenn die Sau einen Ausfall versucht, fasst er von hinten und versucht so, die Sau zu binden. Vorne am linken Teller hängt der besagte Terrier, mit einem dünnen Warn-Laibchen bekleidet und wird von der Sau immer schwungvoll von rechts nach links geschleudert.

In etwa 5 m Entfernung sitzt eine hochläufige, schwarze Bracke ohne jede Warnkleidung und macht (zu meiner völligen Verwunderung) … NIX, gar nichts! Weder bellt, noch stellt, noch fasst er, oder versucht sonst wie ins Geschehen einzugreifen.

Entweder ist der Hund unglaublich intelligent und vermeidet Kontakt zu wehrhaftem Wild, oder er ist noch sehr jung, bzw. unerfahren, oder er ist schlichtweg unbrauchbar…

Nun, ich muss die Situation nun lösen. Irgendwann hat der Terrier wohl genug vom Schleudergang und lässt los. Er fliegt im hohen Bogen in die Büsche und ich kann, da Winston gerade ebenfalls passend zur Seite gegangen ist, den sicheren Fangschuss antragen.

Der in 35 m Entfernung auf seinem Drückjagdbock beobachtende Hundeführer kommentiert das Ende des Bails mit „Waidmannsheil! Die habe ich aber nicht krank geschossen, meine Sau liegt hier vorne, sehen Sie dann, wenn Sie hier rauskommen…“

Ich drehe mich um, verwundert darüber, dass er nicht zuerst nach dem Befinden seines Hundes gefragt hat.

Nun muss ich mich aber sputen, hat doch die nun doch intelligente Bracke ihre Chance gewittert, meinem die Sau beutelnden Winston eine Kampfansage gemacht, und sich nun offensichtlich auf einen gepflegten Hundekampf eingestellt. Gleichzeitig mischt sich der Terrier ein… ich schnappe mir Winston und verlasse den Ort des Geschehens, bevor die beginnende Beißerei hier ausartet.

Ende der Saison, ich stehe in weiträumigen Buchenrauschen mit zwei etwa 30 m langen, schmalen Schneisen und einem einsehbaren, aber nicht zu beschießenden Stangenholz in meinem Rücken.

Hier konnte ich im letzten Jahr 2 Frischlinge strecken und einem krank anwechselnden Überläufer den Fangschuss antragen.

Heute bleibt es lange ruhig, bis mich dann ein Schmalreh anwechselt, welches ich mit einem Pfiff zum Verhoffen bringe und dann eine saubere Kugel antragen kann. Es verendet nach kurzer Todesflucht in etwa 30 m Entfernung im Stangenholz.

Da sich im Verlauf des Treibens ein Deutsch-Langhaar angeschlichen hatte und versucht hatte, das Reh sauber wohin auch immer zu apportieren, habe ich den Hund verscheucht und das Reh direkt vor meinen Stand gezogen.

Irgendwann kündigen sich mit Glockengeläut gleich mehrere Hunde an: Es erscheinen, gefolgt von einer Gruppe Hundeführer in maximal 50 m Abstand, einige dunkle Bracken, allesamt mit Glöckchen auf den leuchtenden und unversehrten Warnwesten. Am Ende meiner Schneise beginnen sie dann mit einer Frühstückspause und Diskussionsrunde, völlig unbeeindruckt vom laufenden Trieb und meiner Person in 30 m Sichtentfernung. Irgendwann sind sie scheinbar wieder zu Kräften gekommen und kommen nun über die Schneise auf mich zugelaufen, umringt von ihren Hunden.

Nicht einer, weder Mensch noch Tier macht Anstalten, das Buchenrauschen zu durchstreifen. Als sie bei mir am Stand vorbeikommen folgt kein „Waidmannsheil“ zur offensichtlichen Beute, sondern nur die Frage, „ob hier Schweine gekommen seien…“.

Ich will diese Frage gerade beantworten, da sehe ich aus dem Augenwinkel, wie 2 der Hunde beginnen, sich Lätzchen umzubinden, Messer und Gabel zu zücken, um dann das Reh von den zarten Keulen angefangen, anzuschneiden. Das Ganze 3 m vor ihren Herrchen. Keiner sagt was, niemand rüdet die Hunde an, oder greift gar ein.

Ich schreie die Hunde an, diese lassen ab, die Hundeführer gucken leicht irritiert, rufen ihre Hunde und ziehen schulterzuckend, weiter über die nun nächste Schneise laufend ab. Von meinem Standnachbarn erfahre ich dann nach der Jagd, dass sich die Herren über meinen Unmut doch sehr gewundert hätten, „schließlich jagen die Hunde ja, um Beute zu machen!“. …..

Warum erzähl ich das? Warum gehe ich mit uns Hundeführern und Stöberhundhaltern so ins Gericht?

Ich habe in den letzten Jahren verstärkt und immer mehr wirklich schlechte Hundearbeit und Arbeit von Hundeführern erlebt, oftmals gepaart mit einem offensichtlich völlig anderen Selbstbildnis:

Stumme Hunde, die das Wild zu panischer Flucht veranlassen, welches dann vor die nicht entsprechend vorgewarnten Schützen gehetzt wird, Hundegruppen (den Begriff der Meute verdienten sie oftmals nicht), deren einziges Ziel es zu sein schien, Wild zu binden, großrahmige Hunde, die in bürstendichten Verhauen bis zum bitteren Ende von Sauen verdroschen wurden, Hunde, die sich überhaupt nicht von ihren Führern lösten und maximal "buschierend" unterwegs waren, Hundeführer, die zwar ihre Hunde mit zur Jagd brachten, diese aber dann am Stand abgelegt hatten, oder sogar im Auto verstaut ließen, Hunde, die scheinbar ungestraft und immer wieder, völlig selbstverständlich Wild anschneiden durften, usw. ...

Großräumige Bewegungsjagden scheinen inzwischen zum "Schmelztiegel der Hundearbeit" zu verkommen. Hier können sich scheinbar alle Rassen, Formen und Farben jagdlich austoben. Um an Bewegungsjagden teilzunehmen, bedarf es offensichtlich keiner Qualifikation oder Eignung, weder von Mensch, noch von Tier... Ist das wirklich so? Welche Möglichkeiten habe ich als Jagdleiter?

Zuerst einmal lernen schon die Jungjäger in ihrer Ausbildung den Unterschied zwischen den verschiedenen Hunderassen, Jagdarten, den Einsatzmöglichkeiten von Vorstehhunden, Stöberhunden, Bauhunden, Apportierern und Schweißhunden.

  • Wir haben nicht umsonst über Generationen Leistungszucht betrieben und unsere Jagdhunderassen zu diesen hohen, spezialisierten Standards hin entwickelt!
  • Ich setze meinen Stöberhund auch nicht zum Vorstehen bei Niederwildjagden ein.
  • Ein Vorstehhund hat nach meinem Verständnis generell auch nichts auf einer Stöberjagd zu suchen.
  • Ein Bauhund nichts auf der Entenjagd, usw. ...

Mir ist sehr wohl bewusst, dass gerade bei uns in Deutschland die Möglichkeiten zur Hundearbeit in guten Niederwildrevieren rar gesät sind und daher verstärkt nach anderen Einsatzmöglichkeiten für diese Spezialisten gesucht wird.

Aber: Das ist oftmals weder effektiv noch von jagdlichem Erfolg gekrönt, geschweige denn tierschutzkonform!

Wenn man z. B. die Stellungnahme der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e. V. (TVT) liest, versteht man eigentlich sofort, auf welch dünnem Eis sich Jagdleitung und auch die entsprechenden Hundeführer bewegen, setzen sie derartige, ungeeignete Menschen und Hunde auf solchen Jagden ein:

„Bei Bewegungsjagden sollten die Hunde und Treiber so eingesetzt werden, dass sich das Wild geordnet zurückziehen kann. Panische Flucht ist zu vermeiden, um die Verletzungsgefahr für das Wild zu minimieren und das Ansprechen durch die Schützen zu ermöglichen. Der jagdliche Einsatz von Hunden im Rahmen von Bewegungsjagden erfordert gut ausgebildete Jagdhunde, die Gehorsam, Schussfestigkeit, Spur- bzw. Fährtenlaut und die geforderten Leistungen in einer Brauchbarkeitsprüfung der Länder, idealerweise im Rahmen einer Gebrauchsprüfung des JGHV, unter Beweis gestellt haben. Der Jagdleiter hat sich von den bestandenen Prüfungen der teilnehmenden Hunde zu überzeugen (Prüfungszeugnis).

Die Bewegungsjagd mit der hetzenden Hundemeute sowie mit arbeitsteilig, rudelartig oder stumm jagenden Hunden ist nach TierSchG und BJagdG verboten! Hundemeuten, die Wild bis zu seiner Erschöpfung hetzen, um es dann festzuhalten und ggf. reißen bevor der Jäger es abfangen kann, sind abzulehnen und mit waidgerechter Jagd und den Vorgaben des Tierschutzgesetzes nicht vereinbar. Laut jagende und stöbernde Hunde ohne unmittelbaren Kontakt mit dem Wild ermöglichen diesem eine geordnete Flucht. So bleiben Rotten und Familienverbände erhalten. Das Aufspüren von krankem Wild durch den Hund zur Verkürzung seiner Leiden ist ein Hauptziel der Jagdhundeausbildung (Arbeit nach dem Schuss).

Bei jeder Bewegungsjagd müssen daher im Vorfeld für die Nachsuche entsprechende Nachsuchen-Gespanne in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen. Nachsuchen auf angeschossenes Wild sind immer durchzuführen. Treiber ohne Jagdschein dürfen kein Wild abfangen (töten), da bei Ihnen die Kenntnisse und Fähigkeiten zum fachgerechten Töten von Wildtieren in der Regel nicht vorhanden sind. […]“

Wenn ich als Jagdleiter und -organisator eine klare Zieldefinition habe, kann und muss ich entsprechende Hunde und Hundeführer einbuchen:

  • Wir brauchen zuerst einmal fährtenlaute Hunde, die den vorstehenden Schützen das Wild möglichst weit vorab laut ankündigen.
  • Wir brauchen Hunde, die nicht zu schnell am Wild jagen und dieses nicht in Panik versetzen.
  • Wir brauchen eine gesunde Wildschärfe, um das z.T. wehrhafte Wild aus seiner sicheren Deckung zu drücken und ggf. krankes Wild sicherzustellen und zu binden.
  • Wir brauchen gut ausgebildete und geprüfte Hunde (und Hundeführer!), die belegen können, dass sie jagdlich brauchbar für derartige Zwecke sind.

So kann man schon relativ schnell die Eignung und Rassen eingrenzen, die Favoriten sind demnach ganz klar unsere Bracken, Dackel und Terrier, sowie die Wachtelhunde.

Andere Rassen können als gut ausgebildete und abgeführte Stöberhunde nur dann zum Einsatz auf Bewegungsjagden kommen, wenn diese ihre jagdliche Brauchbarkeit durch entsprechende Fachprüfungen und Leistungsnachweise (z. B. Spurlaut) für diese Jagdart belegen können.

Spätestens jetzt wird sich Protest regen und einige Jagdleiter werden zu Recht darauf hinweisen, dass es von diesen brauchbaren Hunden aber schlichtweg zu wenige gibt, und man daher auf andere Hunde ausweichen müsse...

Ist das wirklich so? Ist es richtig, ist es tierschutzkonform und am Ende auch dem Jagderfolg dienlich, somit scheinbar " um jeden Preis" einfach irgendwelche Hunde einzusetzen? Getreu dem Motto: "Besser unbrauchbare Hunde als gar keine...!“?

Das kann und will ich nicht akzeptieren. Wir machen uns dadurch unglaubwürdig und angreifbar. Wild ohne vernünftigen Grund zu beunruhigen, zu hetzen und nicht waidgerecht zu bejagen ist schlichtweg falsch.

Am Ende liegt es an den Jagdleitungen, diese können und müssen es steuern!

Als Jagdleiter habe ich nach der Auswahl der bevorzugten Hunde und Hundeführer, der Überprüfung der entsprechenden Zeugnisse und Qualifikationen zudem noch mehrere Optionen, mir ein besseres Bild über die tatsächliche Eignung der einzelnen, eingesetzten Hunde zu verschaffen:

Da sind zum einen die Berichte anderer Hundeführer, Standschnaller und Vorstehschützen. Diese bekommen im Laufe der Jagd oftmals sehr detailreiche Momentaufnahmen mit, die sich ggf. zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammensetzen. Noch viel einfacher wird es aber durch die heutzutage eigentlich flächig eingesetzte Technik. Nahezu jeder Hundeführer stattet inzwischen seinen Hund mit einem Ortungssystem aus.

Es ist somit ein Leichtes, sich diese Daten nach den Jagden von den Hundeführern geben zu lassen. Diese Daten erlauben (je nach Fabrikat) sehr detaillierte Rückschlüsse:

  • Wo haben sich Hund und Hundeführer bewegt?
  • Wie weit hat sich der Hund vom Führer gelöst?
  • Hat der Hund selbstständig gesucht und gejagt?
  • Wurde der geplante Bereich durchstöbert?
  • Hat der Hund laut gejagt? Wie lang, wie weit, mit Erfolg für die Vorstehschützen?

Mit diesen Daten gibt es für jeden Hund ein klares Bild seiner (Tages-) Leistung. Ich meine, dass diese Daten auch dem Hundeführer dazu dienen sollten, die Arbeit, Leistung und die daraus resultierenden Einsatzmöglichkeiten ihrer Hunde kritisch zu reflektieren.

Wenn hier verstärkt drauf geachtet wird, werden diese Stöberhundrassen zwangsläufig wieder verstärkt in den Focus passionierter und verantwortungsbewusster Jäger und Hundeführer rücken. Die Nachfrage, der Bedarf an leistungsstarken, brauchbaren, erprobten und geprüften Hunden ist da und steigt m. E. in Anbetracht der riesigen Kalamitätsflächen und der jagdlichen Verpflichtung, die daraus resultierenden Aufforstungsflächen handwerklich und jagdethisch sauber hochzubringen.

Wenn sich dann noch entsprechend motivierte, versierte und passionierte Hundeführer finden, die mit Leidenschaft diese Bewegungsjagden „bespielen“ steht dem Jagderfolg einer effektiven und möglichst tierschutzkonformen Jagd nicht mehr allzu viel im Wege!

In diesem Sinne Waidmannsheil und HohRüdHoh! Auf ein möglichst gesundes, erfolgreiches und spannendes Jagdjahr mit unseren vierbeinigen Mitjägern, ohne die die Jagd nicht das wäre, was sie ist.

Am Ende gilt der alte Spruch: „Jagd ohne (den brauchbaren) Hund ist (und bleibt) Schund!“


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