Im Frühling auf der Pirsch: 5 Tipps für das Jagdrevier im April und Mai

Im Frühling auf der Pirsch: 5 Tipps für das Jagdrevier im April und Mai

Text: Sarah Pritzel

Während draußen die Natur erwacht, rückt auch langsam das Ende der Schonzeit näher. Die im Mai anstehende Bockjagd mag für den einen oder anderen Niederwild-Jäger bereits eines der Jahreshighlights sein, doch auch im April gibt es schon vieles zu entdecken und zu erledigen.

Eine Zeit intensiver Beobachtungen, Vorbereitungen und Aktivitäten kennzeichnet die ersten warmen Tage des Jahres und macht Vorfreude auf das neue Jagdjahr.

1. Auf Spurensuche

Während die Ricken im April zumeist noch dick gehen, tut sich in anderen Kinderstuben bereits so einiges: Dachse, die zwischen Januar und März gewölft haben, haben nun 6-8 Wochen alten Nachwuchs. Die meist zwei bis vier Jungen verlassen jetzt das erste Mal den Bau und erkunden neugierig ihre Umgebung. Besonders in den frühen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung kann man bei Beobachtungen Glück haben.

Andernfalls bieten Wildkameras Abhilfe: Diese vor Bauten zu hängen, empfiehlt sich sowieso spätestens ab Mitte April. Denn so lassen sich auch Fuchsgehecke bestätigen und helfen bei der Planung der Jagd für den Rest des Jahres.

Ein absolutes Highlight für passionierte Raubwildjäger dürfte aber die Ranz der Iltisse sein.

Diese liegt zwischen März und Juni und sorgt dafür, dass die ansonsten sehr scheuen Räuber vermehrt tagaktiv werden. Hat man also ein Revier mit Iltisvorkommen, kann es sich lohnen in Feuchtgebieten und nahe deckungsreicher Waldränder mit dem Fernglas bewaffnet Posten zu beziehen.

Die vielfältigen Laute von Keckern über Knurren bis hin zu Schreien sind mindestens genauso faszinierend zu hören, wie die liebestollen Stinkmarder in ihren Verfolgungsjagden zu beobachten sind.

2. Vorbereitung und Beginn der Kitzrettung

Die Kitzrettung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Frühjahr und eine sorgfältige Planung ist dabei entscheidend. Ob über den Hegering organisiert oder ausschließlich im eigenen Revier: Bereits im April sollten sich die Teams zusammenfinden und besprechen, wie die Organisation ab Mai ablaufen wird.

Fotos: S. Pritzel / Ch. Grimm

Wenn mit Wärmebild-Drohnen gearbeitet wird, sollten in der Gruppe bereits ausreichend Piloten geschult und geprüft sein.

Die Drohne kann jetzt noch gewartet werden und es bietet sich an, im Vorfeld zu prüfen, ob alle Lizenzen vorhanden sind oder gegebenenfalls für Flugbeschränkungsgebiete gesonderte Erlaubnisse eingeholt werden müssen.

Dies gilt zum Beispiel für einen Radius von 1,5 Kilometern um Flughäfen und Flugplätze, aber auch andere Gebiete können so genannte No-Fly-Zones, Authorization Zones oder Restricted Zones sein.

Das Luftfahrt-Bundesamt oder die zuständigen Landesluftfahrtbehörden können hier bei Fragen und Genehmigungen helfen.

Generell sollte vor dem ersten Einsatz der Drohne ein Probeflug probiert werden - spätestens hier zeigt sich dann, ob die Genehmigung eingeholt werden muss, da die meisten Hersteller mittlerweile automatisiert blockieren, dass Drohnen in solchen Bereichen starten können.

Zur einfacheren Handhabung ermöglichen manche Drohnenhersteller ein Freischalten der Lizenzen über ihre Website und einen direkten Export auf die App, mit der die Drohne verwaltet wird.

Die Pächter können sich schon ein Bild davon machen, wo vermehrt Ricken stehen und festhalten, wo auch in den Vorjahren häufig Kitze gefunden wurden.

Mit den Landwirten kann und sollte nun geklärt werden, wer aus der Gruppe wann und wie am besten über anstehende Mahdtermine informiert wird.

Neue Helfer können bereits vor den ersten Einsätzen geschult und ausreichend Ausrüstung besorgt werden: von Einweghandschuhen bis hin zu Körben und Walkie-Talkies, die beim Einsatz die Kommunikation zwischen Drohnenpilot und Fänger erleichtern.

Und bei all der Organisation und Ernsthaftigkeit darf eins nicht vergessen werden: Ohne all die helfenden Hände und die gute Zusammenarbeit von Jägern und Landwirten funktioniert es nicht.

Darauf darf man auch schon einmal gemeinsam anstoßen!

Foto: Ch. Grimm

Foto links: S. Pritzel

3. Bereit für die Rehwildjagd

Spätestens im Mai heißt es in fast allen Revieren, dass Böcke und Schmalrehe aufgehen. Damit mit Plan und Erfolg die Bejagung stattfinden kann, gibt es einiges im Vorfeld zu tun.

Das Anlegen und Pflegen von Pirschwegen ist dabei die erste Maßnahme. Besonders, da ab April die Vegetation in riesigen Sprüngen sprießt, sollten Pirschwege durch kleinere und größere Dickungen oder entlang von Gehölzen regelmäßig nachgeschnitten werden. Gleiches gilt für eine Kontrolle der Schussschneisen - denn sitzt man erst auf der Leiter und bemerkt erst dann, dass man kaum zwischen all den Ästen etwas sieht, ist es definitiv zu spät.

Ebenso wichtig sind das Bestücken und regelmäßige Kontrollieren von Salzlecken. Zur Zeit des Wechsels in die Sommerdecke und des Setzens der Kitze sowie Verfegen der Gehörne benötigt das Rehwild besonders viele Mineralien. Alle drei Vorgänge gehen wortwörtlich an die Substanz, sodass Salzlecken nun besonders gerne angenommen werden. Etabliert man sie frühzeitig, kann man nicht nur schon vor Beginn der Jagdzeit das Wild dort bestätigen, sondern auch Ansitzeinrichtungen entsprechend platzieren.

Das Fernglas wird generell bei jedem Reviergang zum unverzichtbaren Begleiter, um Böcke zu bestätigen und ihr Verhalten zu beobachten. Im Frühjahr ist es sinnvoll, besonders schwache Böcke und Schmalrehe zu erlegen.

Die Herausforderung bei der Jagd auf schwächere Stücke wird aber vor allem das territoriale Verhalten des Rehwildes:

Von den starken Böcken vertrieben, kann es sein, dass die schwächeren Stücke zu anderen Uhrzeiten und an gänzlich anderer Stelle aus dem Bestand austreten. Hier gilt: Das höhere Risiko müssen die schwachen Stücke tragen. Sie sind entsprechend oft früher am Abend draußen als der starke Bock und bewegen sich an ungünstigeren Stellen im Revier.

Wildkameras bieten hier zusätzliche Informationen über die Aktivität des Wildes und helfen, die Jagdstrategie zu verfeinern. Tritt zum Beispiel der Knopfbock immer am Bestand nahe der Straße aus, muss überlegt werden, wie man ohne Umgebungsgefährdung die Bejagung bestmöglich durchführen kann.

4. Wildschadensverhütung

Die Prävention von Wildschäden, insbesondere durch Schwarzwild, ist im Frühling ein entscheidender Hebel, um späteren Ärger zu vermeiden. Insbesondere dort, wo Wald direkt an Agrarfläche angrenzt, besteht ein erhöhtes Risiko, dass Wild unbemerkt auf die Flächen wechselt und große Schäden anrichtet.

Diese Herausforderung hat sich insbesondere seit dem Umbau der Landwirtschaft in den 80er Jahren ergeben. Der Wegfall von Hof-fernen Weiden mit alten Ackerpferden oder Jungbullen und die damit einhergehende Umwandlung in Ackerland führten dazu, dass eine natürliche Barriere zwischen Wald und Acker fehlt. Leichtes Spiel für Schwarzwild, direkt auf die Flächen zu ziehen und bei Gefahr schnell im Wald zu verschwinden.

Das Umzäunen von solchen sensiblen Flächen ist also sinnvoll. Besonders Mais- und Kartoffeläcker sind gefährdet, da sie gerne vom Schwarzwild angenommen werden. Zäune mit drei Litzen, die möglichst auf mindestens 20, 40 und 60 cm angebracht werden, haben sich hier bewährt.

Foto: S. Pritzel

5. Waffen einschießen und kontrollieren

Die Sicherheit und Effektivität bei der Jagd hängen maßgeblich von der Qualität und Funktionsfähigkeit der Waffen ab. Daher ist es wichtig, die Waffen regelmäßig zu überprüfen und einige Kontrollschüsse zu machen.

Zwar ist das Ein- und Kontrollschießen zur befugten Jagdausübung im Revier gestattet, doch gerade bei gutem Frühlingswetter sind die Naherholungsgebiete gern und viel von Spaziergängern oder Sportlern genutzt.

Um keine Gefährdung zu riskieren oder zumindest Unmut bei Erholungssuchenden, ist der Weg zum Schießstand beinahe obligatorisch in siedlungsnahen Revieren.

Mit Kontrolle der Treffpunktlage auf 50 und 100 m ist man dann auch bestens für die anstehende Bockjagd gerüstet und darf sich über die ersten Ansitze bei lauen Temperaturen inmitten der ergrünenden Natur freuen.


Laden...